Der Berghof – damals wie heute ein Zukunftsprojekt!

Dort, wo der Windpark Berghof entsteht, stand vor 1900 kein Wald. Auf der Merklinger Gemarkung Berg wurden von Bauern, die im Ort Merklingen wohnten, einige Flächen als Weiden und im Wechsel als karge Äcker bewirtschaftet. Bis einer aus Merklingen außerhalb der Ortschaft etwas Neuers anfing. Er baute vor mehr als 250 Jahren dort oben außerhalb des Ortes, nahe der heutigen L343, den Berghof, mit Wohnhaus, Scheunen, einer Schäferei.

Der Berghof Quelle: fiktive Darstellung von Dr. Karl W. Maier, Stadtarchiv Weil der Stadt

Der Windpark Berghof, danach benannt, ist ebenso ein Neuanfang, organisiert von der Bürger-Energiegenossenschaft BEE- Heckengäu e.G..

Der Archivar Herr Graner hat im Stadtarchiv viele Dokumente dazu. Im Buch „Zur Geschichte von Merklingen a. d. Würm“ von Dr. Karl W Maier wird die Entwicklung des Berghofs ausführlich beschrieben.

Alles begann mit Joseph Schuster, Bürger von Merklingen, der außerhalb der Gemeinde den Berghof ab ca. 1770 nach und nach aufbaute. Schon sein Urgroßvater, Friedrich Schuster, der etwa 1670 aus Mähren eingewandert war, hatte wie seine Söhne als Hirte gearbeitet. Um die Zeit war das Gebiet des späteren Merklinger Berghofs überwiegend karges, wenig ergiebiges Acker- und Weideland. Es gab dort kaum Wald. Die Bauern lebten im Ort, hatten auf dem Hügel wenige Äcker und viele Weiden. Joseph baute den Dreiseithof, 1802 erstmals urkundlich erwähnt.

Joseph Schuster betrieb auch eine Schäferei, bewirt­­­­­­schaftete Ackerland und eine Ziegelhütte, da auf dem Gelände dicke Schichten Löss-Lehm vorkamen. Herr Dvorak, vom Heimatkreis Merklingen, hat im Archiv Materialien zum Berghof und auch einen alten Ziegelstein der Ziegelei.

Direkt am Hof, nahe den Resten des Brunnens, lag eine viel genutzte Straße von Weil über Möttlingen nach Liebenzell, wo das Zellerbad ein Ziel begüterter Weiler Bürger war, heute die L343.

Auf der Flurkarte von 1831 ist der Berghof abgegrenzt eingetragen. Quelle: Flurkarte von 1831, Stadtarchiv Weil der Stadt

Schusters Nachkommen führten den Hof weiter und wurden dabei immer wieder durch Darlehen Merklinger Bürger unterstützt. Mit der Zeit, gekennzeichnet durch Teilung des Erbes und Verkauf der Ziegelei, wurde der Berghof für seine Besitzer zunehmend unwirtschaftlich. Er wurde teilweise an die Gemeinde Merklingen verkauft und nur noch zurückgepachtet. Er ging nach und nach ganz in den Besitz der Gemeinde über, die ihn 1840 mit 104 Marksteinen abgrenzte.

1844 wurde der Berghof an Hans Jerg Olpp verpachtet, den Sohn einer alteingesessenen Bauernfamilie. Die Ziegelei war bereits länger nach Simmozheim verpachtet. Wirtschaftlich ging es nicht sehr gut. 1857 brannte der gesamte Berghof nach Blitzeinschlag nieder! Auch die Gemeinde wollte ihn nicht wiederaufbauen, weil sich aufgrund des kargen Bodens die Bewirtschaftung wohl nicht mehr lohnte.

Das ganze Gebiet wurde allmählich aufgeforstet. Erst um 1900 gab es den heutigen Wald auf der Höhe. Dort, wo nur dünne Humusschichten über Muschelkalk liegen, wuchsen auch schon damals die Kiefern schlechter und es gab Lücken mit Buschwerk, wie heute auch da, wo Windkraft genutzt werden soll. Der alte Berghof hat kaum noch Spuren hinterlassen. Man findet aber noch bauliche Reste einzelner Bestandteile, wie die des Brunnens, im Wald.

Berghofbrunnen heute

Neues fängt an!

Menschen aus Weil der Stadt und den anliegenden Gemeinden haben sich zusammengetan, um nahe dem Gelände des alten Berghofs drei Windenergieanlagen zu errichten (siehe Karte oben, WEA 1 – WEA3). Sie sehen das als Schritt in die Zukunft, als einen Beitrag zu einer zukunftstauglichen Nutzung erneuerbarer Energie. So wie damals Bürger dort ihre Zukunft gestalteten, so wollen heute Bürger Einfluss auf das nehmen, was Ihnen wichtig ist. Sie sind Mitglieder einer Energiegenossenschaft in Bürgerhand und unterstützen eine zukunftstaugliche, lokale Energieversorgung, die der Stadt, und den Bürgern des Heckengäus nutzt.

Begehung der Geländes von Mitgliedern der BEE-Heckengäu und dem Förster

Die Bürger-Energiegenossenschaft BEE-Heckengäu ist für alle Bürger offen und möchte möglichst viele an ihren Aktivitäten teilhaben lassen. Informationen dazu finden sich unter  www.bee-heckengäu.de.